Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e.V.
 
Sie befinden sich hier: FÖS   >> Pressemitteilung 20.11.06 
PRESSEMITTEILUNG 20.11.06 
Gemeinsame Pressemitteilung vom 20. November 2006

30 Milliarden Euro umweltschädliche Subventio­nen pro Jahr - Finanzminister Steinbrück bekommt Schwarzbuch und Sparschweine zum Subventionsabbau

Berlin: 30 Milliarden Euro könnte die Bundesregierung pro Jahr einsparen, wenn sie ökologisch nachteilige Förderungen abbauen würde. Das geht aus einem "Schwarzbuch zu umwelt- und klimaschädlichen Subventionen" hervor, dass der Bund für Umwelt und Natur­schutz Deutschland (BUND), der Naturschutzbund (NABU), der Hamburger Klima­schutz­fonds und der Förderverein Ökologische Steuerreform (FÖS) verfasst haben. Das "Schwarzbuch" wurde heute anlässlich der einjährigen Amtszeit von Minister Peer Steinbrück dem Bundesfinanzministerium übergeben.

Aufgelistet sind darin rund 20 umweltschädliche Subventionen. Zu den größten Pos­ten gehört die geringere Besteue­rung von Dieselkraftstoff im Ver­gleich zu Normal­­benzin. Mindes­tens acht der 18 subventionierten Cent pro Liter müssten abgebaut werden, fordern die Verbände. Allein dies entlaste den Bundeshaushalt um jährlich 2,6 Milliarden Euro. Einsparen ließen sich auch Förderungen für den Braunkohle­bergbau sowie Steuervergünstigungen für Atom-Rückstellungen, die sich auf eine weitere Milliarde Euro pro Jahr summierten. Weitere 500 Milli­onen Euro brächte dem Bundesetat die Abschaf­fung des Dienst­wagenprivilegs ein, das Fahrzeuge mit ho­hem Sprit­ver­brauch begünstige. Hier könne die Bundesregierung von Großbritannien lernen, wo diese Be­steu­erung bereits refor­miert worden sei. Dort würden Firmenwagen inzwischen durchschnittlich weniger Sprit verbrauchen als Privat­fahr­zeuge.

Angelika Zahrnt, BUND-Vorsitzende: "Vor einem Jahr hat Peer Steinbrück sein Amt angetreten. Seit­dem hat er nur wenig zum Abbau ökologisch bedenklicher Subventionen beigetragen. Das Betreiben riskanter Atoman­la­gen, der Bau klimaschädlicher Kohlekraftwerke und Sprit fressende Dienstwagen - all dies wird staatlich gefördert. Wenn die Sonntagsreden von Kanzlerin Merkel, Um­welt­­minister Gabriel und Finanzminister Stein­brück über die Dringlichkeit einer nachhaltigen Politik ernst gemeint sind, muss das Fördern umweltschädlicher Tatbestände ein Ende haben."

Die Verbände forderten Steinbrück auf, an die Sparbemühungen seines Vorgängers Hans Eichel anzuknüpfen. Neben dem "Schwarzbuch" erhielt er deshalb einen symbolischen Sparscheck über 30 Milliarden Euro und mehrere Spar­schwei­ne. Eichel, der wegen seiner Spar­schwein­­samm­lung auch 'Spar-Hans' genannt wurde, hatte 2002 ein Gesetz zum Abbau von Steuervergünsti­gun­­gen vorgelegt, das jedoch am Widerstand der Union gescheitert war.

Olaf Tschimpke, NABU-Präsident: "Minister Steinbrück sollte auch die Privilegien für den klima­schäd­lich­­sten Verkehrsträger Flugzeug beseitigen und die Mehrwertsteuerbefreiung bei grenz­über­­schrei­tenden Flügen sowie die Befreiung von der Mineralölsteuer bei Inlandsflügen schnell abschaffen. Damit könnte er 900 Millionen Euro jährlich einnehmen und gleichzeitig wirksam zum Klima­schutz beitragen."

Anselm Görres, Vorsitzender des FÖS: "In ihrem ersten Jahr hat die Große Koalition jede Chance verpasst, umweltschädliche Steuergeschenke für Industrie und Landwirtschaft zu reduzieren. Anstatt die Sonderregelungen bei der Energiesteuer ökologischer zu gestalten, weitete Schwarz-Rot bestehende Vergünstigungen auf zusätzliche Branchen aus. Nur wenn Herr Steinbrück diese Politik beendet, wird es für die Wirtschaft Anreize geben, klima- und umweltbewusster zu produzieren."


Das „Schwarzbuch zu umwelt- und klimaschädlichen Subventionen“ steht als Download zur Verfügung, unter http://www.foes.de/de/downloads/Politische%20Forderungen/Schwarzbuch_version_1.6_final.pdf